Die Compilation ist der Endgegner jedes Jahresrückblicks. Denn seien wir mal ehrlich: Wenn zehn bis zwanzig Tracks von ganz unterschiedlichen Menschen und Musikprojekten zusammenkommen, ist das Endergebnis nur in höchstens 1% der Fälle wirklich komplett überzeugend. Vielleicht auch ein Grund dafür, dass unsere Top 20 Schallplatten aus dem Compilation-Bereich vor allem viel Bewährtes mitbringen. Die Songs, die Prince für die Schublade schrieb und die dann von anderen zu Welthits gemacht wurden, Djax-Klassiker zum 30. Jubiläum von Miss Djax‘ ikonischem Label, die Einkaufsliste von Nurse With Wound, Malaria!-Hits, Gwakafuckingsonne, ethnografische Aufnahmen aus Indonesien oder die große Claro-Intelecto-Werkschau: Da lässt sich herzlich wenig mit falsch machen. Erfreulich ist allerdings, dass Ariel Kalmas Zusammenstellung aus dem weißen Studio von GRM bisher unerhörtes bietet und Dirk De Saever, E.M.U. oder Guerilla Warfare sonst vermutlich auf ewig dem Geheimwissen der Profi-Diggers anvertraut gewesen wären. Zumal Compilations von STROOM, Arabstazy, Emotional Response, Kashual Plastik und im Golden-Pudel-Umfeld Anlass zur Beruhigung geben: Es gibt sie noch, diese Killer-Compilations mit der vollen Ladung Gegenwart.








Mit »Antipodean Anomalies« (Left Ear) und »Midday Moon« (Bedroom Suck) haben 2018 zwei Compilations einen Überblick über die vor 30, 40 Jahren in den Outbacks Australiens entstandene, vielgestaltige elektronische Musik gegeben. Jetzt wird damit begonnen, mehr in die Tiefe zu gehen, und einzelnen Künstlern ihre gebührende Anerkennung zu geben. Der 2014 verstorbene Sam Mallet gehört zu ihnen. Die Compilation »Wetlands« stellt bislang nur auf Kassette veröffentlichte Aufnahmen von Mitte der 1980er Jahre zusammen und lässt uns zu Musik aufhorchen, die sich weder vor Jon Hassel noch vor Brian Eno verstecken muss. Sebastian Hinz










