Music Kolumne | verfasst 08.12.2016
Jahresrückblick 2016
Top 50 Alben
Vielleicht ist es das Einzige, das man zu einer Liste mit Schallplatten zu diesem Jahr 2016 sagen kann, in der man nicht einfach nur über Musik reden kann: dass es bereichert, diesen 50 Alben (und 2 Mixtapes) zuzuhören.
Text , Benjamin Mächler, Andreas Schnell, Niklas Fucks, Lars Fleischmann, , Florian Aigner, Martin Silbermann, Fionn Birr, Tim Tschentscher, Andreas Brüning, Tim Caspar Boehme, Philipp Kunze, , Steffen Kolberg

Jahresrückblick 2016 Was schreiben über das Jahr 2016? Entweder man versucht es ernsthaft. Dann muss man politisch werden, abwägen, sensibel sein, angemessen zusammenfassen. Oder man versucht es locker von der Hüfte weg. Dann wird es schnell makaber.

Der Platz für ein angemessenes Zusammenfassen ist hier nicht. Den Platz, mal frisch aus dem Handgelenk einen rauszuschütteln, verbieten die Geschehnisse.

Bowie tot, Cohen tot, Prince tot, eine andere prägende Persönlichkeit, die dir etwas bedeutet hat: wahrscheinlich auch tot. Und das nur mal eben plump, unangemessen zusammengefasst, aber sicher nicht locker, nur zur popkulturellen Welt.

Was bleibt? Musik jedenfalls, immer irgendwie. Und dieses »irgendwie« war auch dieses Jahr sehr vieles. Vielleicht sogar ist in unserer Liste der besten Alben des Jahres dieses Jahr so viel Diversität vorhanden, wie zuvor noch nicht. Vielleicht liegt das daran, dass man das Weite sucht, wenn alles um einen herum immer enger zu werden scheint. Und Musik das immer sein kann: weit.

Wer weiß das schon? Wer weiß schon noch irgendwas. Und wenn man kaum etwas weiß (nicht einmal, wie dieser musikalische Jahresrückblick passend einzuleiten ist), dann hört man am besten zu. Und vielleicht ist das das Relevanteste, was man zu einer Liste mit Musik zu einem Jahr sagen kann, in der man nicht einfach nur über Musik reden kann: dass es bereichert, diesen 50 Alben (und 2 Mixtapes) zuzuhören. Und dass man das öfter beherzigen dürfte, dass Zuhören bereichert. In einer Zeit, die so furchtbar ist, dass das ganze Jahr ein Schweigejahr nach sich ziehen sollte. Und trotzdem alle ihre Meinungen tweeten, posten, schreien.

A Tribe Called Quest - We Got It From Here … Thank You For Your Service LPFind it at hhv.de: LP | CD Weiß eh schon jeder, aber für das Protokoll: das neue, finale Album von A Tribe Called Quest ist gut, sehr gut sogar. Kein »Midnight Marauders«, keine »Low End Theory«, natürlich nicht. Trotzdem bleibt das brillant trotzig betitelte »We Got It From Here…Thank You 4 Your Service« das Best-Case-Szenario für eine Band, die sich schon vor fast 20 Jahren an ihren Differenzen zerrieben hatte: ein musikalisch erstaunlich variantenreicher Abgesang auf die USA, gestützt auf all deren widersprüchliche Großartigkeiten und progressiven Kampfgeist. All dies entlädt sich in Phife Dawgs seichtem Humor, Q-Tips clever-sarkastischem Afrozentrismus, Consequences gewitzten Punchlines und herzerwärmenden Jarobi-Aufritte. Ein Album, das einen glauben lässt Dirk und Manu könnten auch in 18 Jahren noch 30 Minuten spielen. Florian Aigner
 

Abra - Princess EPFind it at hhv.de: LP Die Snare klingt nach Phil Collins, die Bassline nach Frankie Knuckles und der Schmerz, der schmeckt süßlich und irgendwie nach Kupfer. Abra bezeichnete die Musik auf »Princess« vorab als »Fairy Trap«. Vermutlich deshalb, weil sie ebenso verschwebt ist wie sie schwer wiegt. Ein guter Abra-Song ist wie eine Herzrhythmusstörung: unvorhersehbar, unheimlich und eine Erinnerung daran, dass das Leben gar nicht so selbstverständlich ist. Auf »Princess« gibt es sechs davon zu hören. Kristoffer Cornils
 

Achim Funk & Mr. Nylson - The Bridge To YesterdayFind it at hhv.de: 2LP »The Bridge To Yesterday« ist eine offenkundige Hommage an den East Coast Rap Sound der 1990er Neunziger. Das ist beliebt und viel zitiert – und daher eigentlich schon wieder gegessen. Achim Funk & Mr. Nylson wissen allerdings, wie und wo man da heute noch unverkrampft aus dem Vollen schöpft, ohne im bloßen Referenzenraten steckenzubleiben. Das Ergebnis: Flavour statt Einheitsbrei. Christian Neubert
 

Aesop Rock - The Impossible KidFind it at hhv.de: 2LP Der Reim-Schmid mit dem offiziell größten Vokabular im Rap-Game perfektioniert auf »The Impossible Kid« nicht nur seine Skills am Mic. Auch die tighte Produktion verdeutlicht, dass weder prominente Features noch eine Garde an Starproduzenten vonnöten sind, um eines der Hip Hop-Highlights des Jahres zu verantworten. Aesop Rock macht voller Selbstvertrauen sein Ding. Martin Silbermann
 

Anderson-Paak - MailbuFind it at hhv.de: 2LP | CD Es war das Album, das das Dr Dre-Feature Breezy Lovejoy unter neuem Namen vom Auskenner-Liebling zum Hype-Thema des Jahres machen sollte. Doch Anderson .Paak erfand auf »Malibu« nichts neu: Dauergäste von der Lieblings-Produzenten-Liste wie 9th Wonder, Kaytranada oder Hi-Tek inszenierten Anderson .Paaks Lausbuben-Delivery lediglich in eine scheuklappen-freie Sample-/Live-Band-Zwischenwelt aus filigranem Proberaum-Gejazze, voluminösem Besserverdiener-Boogie und der nötigen Portion Straßen(rap)-Kante. Vielleicht (k)ein Klassiker vom Reißbrett, aber fast 20 Jahre nach den Soulquarians der finale Beweis, dass man noch nie ein »Neo-« gebraucht hat, um von Soul zu sprechen zu können. Fionn Birr
 

Angel Olsen - My Woman LPFind it at hhv.de: LP | Tape Angel Olsen hat nach ihrem Durchbruch mit »Burn Your Fire for No Witness« nochmal eine Schippe drauf gelegt; und sich damit ganz weit nach vorne gespielt. »My Woman« ist nichts anderes als ein fragiles Meisterwerk des Songwritings geworden, das – soweit es fehlt – eine klaffende Lücke in jeder Plattensammlung darstellt. Lars Fleischmann
 

Bacao Rhythm & Steel Band - 55Find it at hhv.de: 2LP In einer Zeit, in der täglich neue Rare-Groove-Perlen durch Compilations, Reissues und Mixe ans Tageslicht befördert werden, scheint es mitunter überflüssig, dass sich talentierte Musiker mit Instrumenten, altem Equipment und einem 8-Spur-Gerät ins Studio setzen und Funk aufnehmen. Aber die Bacao Rhythm & Steel Band schenkte mit »55« nicht nur dem Steeldrum-Funk das perfekte Album, das das nieschige Genre nie hatte – die Hamburger zeigten auch, wie gut instrumentale Musik im Zeitalter von Sampling und Crate Digging funktionieren kann. Soulja Boy steht neben Dennis Coffey, 50 Cent und Faith Evans neben Cat Stevens und John Holt und jeder einzelne Drumbreak ist der feuchte Traum eines jeden Plattengräbers. Niklas Fucks
 

B/B/S - PalaceFind it at hhv.de: 2LP Der Puls wird ganz langsam und ruhig. Dann breitet sich erst eine endlose dunkle Decke über einem aus. Als nächstes: das weiße Licht, man läuft darauf zu. Könnte man in diesem Moment des unendlichen Friedens einen Albtraum haben, würde diese Situation B/B/S »Palace« am besten beschreiben. Zwischen allen Instrumenten klafft weite Dunkelheit, in der Schlagzeug und Geige verhallen, in der sie ständig vergehen und wieder aufflackern. Ein Album, das einen gleichzeitig mit Ruhe und dem ständigen Gefühl einer Bedrohung ausfüllt – ein packendes Werk. Philipp Kunze
 

Beyoncé - LemonadeFind it at hhv.de: CD+DVD Viel wurde über Beyoncés »Lemonade« gesprochen, derweil wenig über die Musik gesagt wurde. Die ist in bester Stadion-Pop-Manier ein reich befülltes Buffet von Konsensleckereien, die allerdings in Hot Sauce getränkt sind: Die Vorab-Single »Formation« allein ist einer der weirdesten Mainstream-Pop-Songs seit… Ja, eigentlich lässt sich Pop seit 2016 in Prä- und Post-»Formation« einteilen. Selten kam die reine Kalkulation ästhetisch dermaßen unberechenbar daher. Kristoffer Cornils
 

Blood Orange - Freetown SoundFind it at hhv.de: 2LP | 2LP+10inch Bei all den (berechtigten) Lorbeeren für Frank Ocean könnte man glatt den Fehler begehen, dieses Neo-R’n’B-Meisterwerk in Form eines Konzept-Mixtapes zu überhören. Poppig, eklektisch und im besten Sinne concious überzeugt Blood Orange auf »Freetown Sound« endlich vollkommen in Form wie Inhalt. Martin Silbermann
 

Carla dal Forno - You Know What It's LikeFind it at hhv.de: LP Die Düstermaler von Blackest Ever Black haben einen neuen Star. Sorgten Tropic Of Cancer 2013 mit »Restless Idylls« erstmals für größere Aufmerksamkeit für das in London und Berlin stationierte Label, legte Carla Dal Forno dieses Jahr mit »You Know What It’s Like« das erste richtige Blackest-Ever-Black-Pop-Album vor. Ein Pop-Album freilich, das die ganze Bandbreite an Schwermut mitdenkt, für die das Label bekannt ist; verhallten New Wave genauso unterbringt wie leicht schrägen Psych-Folk und dumpf treibende Bassdrums. Und dabei trotzdem das bleibt, was ein Popalbum im besten Fall sein sollte: Ein stimmiges Gesamtkunstwerk, das für sich steht. Steffen Kolberg
 

Crack Ignaz & Wandl - Geld LebenFind it at hhv.de: LP | CD Kaum war der zuckrige Geschmack von »Kirsch« verdaut, lieferte Crack Ignaz dank Produzent Wandl bereits im Januar seinen persönlichen Gegenentwurf zum Neo-Boombap-Begriff vom Vater im Geiste, Madlib. Noch nie wurden Swag-Vokabeln so nonchalant an puristische Sample-Teppiche geknüpft. Gerade Kostverächter können sich auf »Geld Leben« einigen. Tim Tschentscher
 

Danny Brown - Atrocity ExhibitionFind it at hhv.de: 2LP black | 2LP pink| CD Danny Brown rettet auf »Atrocity Exhibition« den Hip Hop, mit jedem Stück ein bisschen. Der 35-jährige Detroiter tritt dabei den Beweis an, dass auch eine quäkende Stimme überzeugen kann, wenn man sie gezielt einsetzt. Und dass stilistische Offenheit nicht Beliebigkeit bedeuten muss, wenn man Paranoia- oder Drogenthemen mit den richtigen verdrehten Samples zu kombinieren weiß. Ain’t it funny? Tim Caspar Boehme
 

david bowie black star Find it at hhv.de: LP Richtig viel erwartet hatte man nach »The Next Day« ja nicht mehr von ihm. Und klar, mit seinen besten Alben kann »Blackstar« nicht ganz mithalten. Dennoch gelingt David Bowie ein musikalischer Abschied, der wie ein letztes Aufbäumen daherkommt, bei dem er noch einmal furchtlos Neues ausprobiert, freie Jazzelemente oder Tribalistisches nimmt, sie zu entrückten Freiform-Songs zusammenbaut und triumphierend verstummt. Tim Caspar Boehme
 

Babyfather - BBF Hosted By DJ EscrowFind it at hhv.de: 2LP Das besondere an Dean Blunt ist vielleicht, dass er gleichzeitig komplett gleichgültig der Welt gegenüber und bis auf den letzten Nerv von ihr umgetrieben wirkt. Das macht seine Werke, das macht auch »BBF hosted by DJ Escrow so einnehmend. Denn kaum einer hat den postmodernen Struggle bislang so angenehm hörbar vertont wie er (die Tonspur ist dabei allerdings nur eine Ebene des Phänomens DB). Weggetretener Singsang, ein Joint in der Hand, vergisst er alles, was ihm je heilig war. Und sucht zur selben Zeit nach etwas Neuem, das das wieder sein kann: heilig. Philipp Kunze
 

Demdike Stare - WonderlandFind it at hhv.de: 2LP Eigentlich wollte ich hier für Skee Masks unterbewertete Breakbeat-Dystopie »Shred« kämpfen, aber dann kamen kurz vor Redaktionsschluss wieder diese Klugscheißer von Demdike Stare an, knüppeln mir »Wonderland« vor die Füße und schon ist Ilian Tape wieder nur noch der kleine Cousin von Modern Love. Hätte sich Aphex Twin seit »Syro« mit seiner Soundcloud-Bulimie nicht selbst ins Abseits gestellt, dann wäre an dieser Stelle ein Vergleich angebracht, so komplex wie hier rhythmisiert wird, so unverfroren wie hier manierierter IDM-Techno von prä-adoleszentem Insider-Gagtum und Ragga-Relief zerfetzt wird. Da Demdike Stare aber mittlerweile zu ihrem eigenen Referenzpunkt gereift sind, bleibt eigentlich nur noch der Verweis auf deren Testpressings-Serie und die Feststellung, dass »Wonderland« diese perfekt pointiert. Florian Aigner
 

Dwarfs Of East Agouza - BesFind it at hhv.de:2LP In drei Sätzen zu erklären warum »Bes« von The Dwarfs Of East Agouza eines der besten Alben des Jahres ist, scheint angesichts der wahnwitzigen Komplexität und polyrhythmischen Groove-Not-Groove-Anleihen pro forma einfach: professoraler Math-Jazz und tribalistischer Sahara-Psych als Schnittmenge auf die sich Gesellschaftsgewinner in ihren alltäglichen Eskapismusbestrebungen bestens einigen können. Aber: das hier atmet, keucht, spuckt, schlägt um sich, lebt. Und weigert sich damit erfolgreichst gegen jede Coffeetablisierung und Appropriation. Florian Aigner
 

Eli Keszler - Last Signs Of SpeedFind it at hhv.de: LP Schon geil, dass auch rund 15.000 Jahre nach den ersten rhythmischen Schlägen auf einen Schädelknochen immer noch andere Sounds und Grooves möglich sind als die, die sich in der Zwischenzeit etablieren konnten. Eli Keszler ist für das Drumkit das, was Bill Orcutt für die Gitarre bedeutet und eigentlich noch viel mehr. »Last Signs Of Speed« ist ein irre vielschichtiges Album und trotzdem das Gegenteil von Prog-Gelüsten. So freundlich können Konventionsbrüche dann doch klingen. Kristoffer Cornils
 

Exploded View - Exploded View LPFind it at hhv.de: 2LP Man könnte an dieser Stelle ihre Bandkollegen loben. »Exploded View« lebt schließlich auch von diesen quer im Raum stehenden Lead-Riffs, die den nachlässigen Basslines und taumelnden Post-Punk-Drums erst Kälte und Tiefe geben und verhindern, dass sich dieses Album in ESG-Gesten erschöpft. Aber natürlich sind wir hier wegen Frontfrau Anika, die wie immer selbst in den emphatischsten Momenten noch so ätherisch und restsediert wirkt, dass es tatsächlich kein allzu weiter Weg mehr ist zu Gottmutter Nico und all things Venus und Pelz. Florian Aigner
 

Gonjasufi - CallusFind it at hhv.de: 2LP Der musizierende Yogalehrer Gonjasufi gibt auf »Callus« eine weitere Lektion in Katharsis und pusht mit Akustik-Klampfe, scheinbar defekten Drum Mashines und Lo(west)-Fi-Produktion die Grenzen der Hörbarkeit. Sein krächzender Straßen-Rap beschwört auf diesem Höllentrip den inneren Amokläufer in uns allen – kranker, geiler Scheiß! Martin Silbermann
 

The heliocentrics - From The DeepFind it at hhv.de: LP | CD Fusion-Sound mit Weite und Tiefe, vollgepackt, ohne überladen zu sein: Der Jazzrock der Heliocentrics fesselt mit enormer Spannung. »From The Deep« ist ganz bei sich, nach innen gekehrt, nahe der Implosion. Aus der Tiefe eben, das Album nimmt seinen Titel ernst – und wird beim Anhören fast schon zu einer körperlichen Erfahrung. Christian Neubert
 

Imarhan - ImarhanFind it at hhv.de: LP Sie haben den Touareg-Rock nicht erfunden. Der hypnotische Sound auf »Imarhan« mit Referenzen zu Funk, Reggae und Psychedelik klingt bei ihnen nicht grundlegend anders als der ihrer älteren Kollegen Tamikrest oder Tinariwen. Statt sich aber in traditionelle Gewändern zu hüllen, treten Imarhan in Jeans und T-Shirts auf, sind Label-Kollegen von Tortoise und Lambchop und damit nicht zuletzt eine Rockband von heute, die eher zufällig nicht aus London, Berlin oder Los Angeles kommt, sondern eben aus der Sahara-Metropole Tamanrasset. Andreas Schnell
 

Jeff Parker - The New BreedFind it at hhv.de: LP Die Jazzplatte des Jahres kommt von Jeff Parker. Das ist nicht unwichtig zu erwähnen, in Zeiten, wo sinnloses »Jazzgegniedel« (Dank für das Wort geht an Florian Aigner) wieder mit Kunst verwechselt wird. Jeff Parker hingegen hebt das afroamerikanische Erbe des Jazz hervor und legt die Flicken aus Freiheit, Rhythmus, Groove, Repetition und Wahnsinn neu zusammen. Schon »Executive Life«, das erste Stück, setzt Bop-Melodien mit einem eine Schleife drehenden Sample und einem Hip Hop-Beat in Kontrast. Kurz noch: Der Gitarrist Jeff Parker ist kein unbekannter in der Musikszene Chicagos, nahm Schallplatten mit Rob Mazurek, Ken Vandermark oder Fred Andersen auf und ist oft übersehenes Mitglied von Tortoise. »The New Breed« zeigt ihn auf der Höhe seines Schaffens. Sebastian Hinz
 

Jenny Hval - Blood BitchFind it at hhv.de: LP black | LP red Das wird dich jetzt nicht überraschen, aber Jenny Hval ist eine der interessantesten Musikerinnen weltweit und bleibt das auch 2016. Für »Blood Bitch« hat sie sich eine menge billig produzierter Horrorfilme aus den 1970er Jahren angesehen, in denen nackte Vampire und Vampirinnen eine wichtige Rolle spielten. Ihr Interesse galt dabei weniger der dramaturgischen Finesse dieser Streifen, sondern mehr dem Blut und wie es darin verhandelt wird. Dass »Blood Bitch« auch ein Song der Cocteau Twins aus dem 1982 ist, ist nur ein weiterer Verweis hinein in die Welt, in der an Verweisen nicht eben armen Kunst der Norwegerin. Allein die zweieinhalb Minuten von »In The Red«, in der ein panischer Atem sich zum rhythmische Korsett formt (und Sounds des Cocteau Twins’ Klassikers übrigens nochmals zitiert werden), haben mehr Finesse, Gefühlsspektrum, Wissen als 80% der sonstigen Releases dieses Jahres. Sebastian Hinz
 

Jessy Lanza - Oh NoFind it at hhv.de: LP Gegen Ende des Jahres machte Jessy Lanza mit der Remix-EP »Oh No No No« noch mal klar, dass die Koordination ihres Soundsystems eben nicht knochenzarter Future R’n’B oder Jeremy Greenspans Gutväterlichkeit heißen, sondern Disco (Morgan Geist) und Footwork (DJ Taye x Spinna) beziehungsweise aktuelles Hardcore Continuum (DVA alias [HI:EMOTIONS]). »Oh No« war aber vor allem eins: Nackt wie ein Liebesgeständnis durch zusammengepresste Lippen, beschwingt wie die Gefühlsduseligkeit eines frühmorgendlichen Wiedersehens im Club und nicht zuletzt Hohelied einer Stimme, die sich endgültig gefunden hat. Kristoffer Cornils
 

ka samurai Find it at hhv.de: LP Seit dem neunten November höre ich »Honour Killed The Samurai« anders. Was zuvor schlicht das bisher beste Album von Ka war, ist zur Stimme aus dem Off geworden, die lakonisch-poetische Reaktion auf alles was scheiße ist, die Stimme eines Desillusionierten, der aus Frustration und dem alltäglichen Sissyphos-Struggle jedoch andere (die richtigen) Schlüsse zieht als der dahinsiechende Rostgürtel und der es verdient hätte mit »Honour Killed The Samurai« genau so an den Tisch gebeten zu werden wie Kendrick Lamar, Solange, Blood Orange, Q-Tip und all die anderen unbequemen Klimaforscher. Florian Aigner
 

Kaitlyn Aurelia Smith - EARSFind it at hhv.de: LP Der blubbrige, knuspernde Buchla-Sound von Kaitlyn Aurelia Smith ließ einem Floating Points die Brille von der Nase rutschen und das eventuell nicht nur vor Begeisterung. Der talentierte Mr. Shepherd musste vielleicht einsehen, dass Smith das gelang, was er mit seiner Lounge-Muzak auf LP-Länge nicht schaffen konnte: Fröhlich-freundliche Musik mit Handarbeitsflavour und Kunstanspruch in die zeitlose Form von »EARS« zu pressen, welches in drei Jahrzehnten spätestens die Reissue-Industrie am Leben halten wird. Kristoffer Cornils
 

kanye life of pablo »The Life Of Pablo« war Kanye West in Reinform. Gospel-Songs, Trap-Banger, Taylor Swift, Anal-Bleacher auf dem T-Shirt, alles immer rasend schnell zwischen »Wow!« und »WTF?« pendelnd. Auch, dass das Album sich immer weiter veränderte: Kanye. Bei all den Gedanken darüber, was für ein größenwahnsinniger Spinner er auch ist, hat der ein oder andere vergessen: wie Kanye West seine Album produziert, was darauf passiert, sucht im Rapspiel nach wie vor seinesgleichen. Immer unerwartbar, immer abwechslungsreich, immer zwischen total geil und Totalschaden. Ohne Kanye wäre scheiße. Philipp Kunze
 

Kevin Morby - Singing SawFind it at hhv.de: LP Nun hat Bob Dylan zwar endlich seinen Nobelpreis, trällert aber leider nur noch Sinatra-Schnulzen. Drum nimmt sich Kevin Morby wohl (nicht nur) Dylans musikalischem Erbe an. Reifes Songwriting und spärliche, aber dafür umso fokussierte Instrumentierung lassen auf »Singing Saw« zeitlose Folk-Weisen entstehen, die um einiges tiefer schürfen als Kevin Morbys andere Bands wie Woods oder Babies. Und singende Sägen gibt’s natürlich auch. Martin Silbermann
 

Leon Vynehall - RojusFind it at hhv.de:2LP | CD Leon Vynehall lädt auf »Rojus« zur Balz auf den Dancefloor. Als konzeptionelles Gerüst dienten dem Briten dieses Jahr exotische Vogelgesänge, die er stilvoll zu einem Album verwebt. Straighter und vielschichtiger als noch auf »Music For The Uninvited« geht der Hobby-Ornithologe hier zu Werke, satte Drums und fesselnde Samples begehen quasi die 4-to-the-floor-Vogelhochzeit. War der Vorgänger noch die Eintrittskarte für den Slot in der Afterhour, durfte er sich für »Rojus« das Deep-House-Diplom zur Primetime im Club abholen. Benjamin Mächler
 

LUH - Spiritual Songs For Lovers SingFind it at hhv.de: LP Kaum etwas schien 2016 sinnloser, als über die Liebe zu schwadronieren. Der donnernde Debüt des Arbeits- und, klar, Liebespaars LUH zog stattdessen dankbarer Weise Todesschwadrone der Leidenschaftsentblößung ins Feld. Seit der Veröffentlichung von »Spiritual Songs For Lovers To Sing« ist Verausgabungs-Pop ein Genre, das die beiden erfunden, gemeistert und überwunden haben. Wer jetzt nicht weint, lebt und liebt im Permafrost – oder schlimmer noch, in der Realität. Kristoffer Cornils
 

Mark Pritchard - Under The SunFind it at hhv.de: LP Mächtig aber sanftmütig, brillant ohne zu poliert zu sein, Mark Pritchards »Under The Sun« hat auch Monate nach seinem Erscheinen nichts an seiner Wirkung verloren. Oft bedeutet Ambient: Einer breitet die Decke aus, legt sich selbstzufrieden die Lippen und bedeutet allen Anwesenden mit bayrischem Dialekt, dass sie sich nun hinlegen können. Hier bedeutet Ambient: dass Mark Pritchard das weiche Tuch mit in ein Gebirge genommen hat, ausgewähltes Panorama und so, Sekt hat er auch dabei, und elbische Wesen, die diesen unglaublichen Augenblick unwirklich scheinen lassen. Philipp Kunze

 marie davidson adieuFind it at hhv.de: LP Marie Davidson klingt in ihren dreistesten Momenten auf »Adieu Au Dancefloor« als wäre Knarzdinosaurier SebastiAn bei Robert Armani in die Lehre gegangen, um endlich wieder ein aufregendes Chicks On Speed-Album zu produzieren. In anderen klingt sie wie der Beelzebub persönlich und am Ende schiebt sie uns noch in einem astreinen Electropop-Chanson keck französische Weintrauben in den Mund. »Naive to the bone«? Unwahrscheinlich. Florian Aigner
 

The Mystic Jungle Tribe - QvisisanaFind it at hhv.de: LP Musik, um mit weißem Leinen an die Bar zu laufen, der Popo stramm vom morgendlichen Strandwalk, drei Hemdknöpfe offen, ein kurzer Fingerschnipser zum Takt, eine Order an der Bar, die nach After Shave riecht. Und dann galant zurück auf die Tanzfläche, sanft wippt der Drink im Cocktailglas. The Mystic Jungle Tribes »Qvisisana« ist dolce vita durch und durch. Und war damit ein absoluter Lichtblick, wo das gottverdammte vita doch so selten richtig dolce war dieses Jahr. Philipp Kunze
 

nick cave skeleton treeFind it at hhv.de: LP Natürlich ist Nick Cave auch auf »Skeleton Tree« noch Künstler, Charismatiker, knurrender Kauz, vor allem aber ist er ein Vater, der seinen Sohn verloren hat. Und weil dieses Album so erschütternd ist, in seiner Alltagsreflektion nach einer katastrophalen Zäsur, in seiner fragmentarisch poetischen Offenheit und gleichzeitigen Hyperauthentizität, fühlt sich ein Urteil über dieses Album nicht nur vermessen, sondern unmenschlich an. Florian Aigner
 

Noura Mint Seymali - ArbinaFind it at hhv.de: LP Eigentlich dachte man, die Geschichte des sogenannten »Wüstenblues« sei inzwischen zu Ende erzählt. Dann kam die großartige Griot-Musikerin Noura Mint Seymali und legte mit ihren Mitmusikern auf »Arbina« eine perfekte Kombination von Psychedelic-Gitarrengeschrammel und westafrikanischen Harmonietraditionen vor, die von vorne bis hinten groovt. Viel zu eigenständig, um einfach nur »Wüstenblues« zu sein, viel zu wertvoll, um im Weltmusik-Regal vor sich hin zu schimmeln. Steffen Kolberg
 

Omar-S The BestFind it at hhv.de: 4LP Das menschgewordene Deep House-Tool Omar-S entdeckte doch 2016 tatsächlich das Album als Spielraum für sich. Da wurden nichtsdestotrotz Booties betascht (ugh…) und der 303 die Sporen gegeben (yay!). Allerdings bewies Alexander Omar Smith mit »The Best« quasi antithetisch zu seiner Plattenaufmachung dieses komische Ding namens Reife. Keine Sorge allerdings, auf Promo-Fotos wird weiterhin die Knarre neben der 909 platziert respektive Karren durch Detroit geschubst und bis Omar-S endgültig erwachsen wird, bleibt »The Best« das, was der Titel verspricht. Mit drei oder mehr Ausrufezeichen, weil drunter hat er’s noch nie gemacht. Kristoffer Cornils
 

Preoccupations - Preoccupations LPFind it at hhv.de: LP | Tape Die ganze Nummer mit dem Bandnamen-Wechsel von Viet Cong zu Preoccupations hat davon abgelenkt, dass das selbstbestitelte Debüt der Kanadier vor allen Dingen eins ist: Genial. Tief-dröhnende Bassläufe, ephemeres Songwriting über Angst, die Aufdröselung der klassischen Songstruktur. Da steckt so viel Liebe und Verzweiflung drin, dass sich selbst beim x-ten Anhören immer wieder neue Welten auftun. Lars Fleischmann
 

Rihanna - AntiFind it at hhv.de: LP-US | LP-EU Klar, der leichtfüßige Arbeitnehmer-Ohrwurm »Work« zählt zu den größten Radiohits des Jahres – wie immer bei Rihanna, der man musikalisch bis dato wenigstens keine mangelnde Arbeitsmoral vorwerfen konnte. Doch das Suprise-Release »Anti« war 2016 eben mehr als nur die konsequente Summe des Pop-Zeitgeists aus versaut-käsigen Prince-Zitaten, schmeichlerischen Tame Impala-Coversongs und beiläufig-bassigen Rechtswischer-Hymnen. RiRi krönte sich mit diesem emotionalen Achterbahnfahrt-Album aus Dub-, Hip Hop-, Folk- und Funk-Anleihen final und ganzheitlich zur »Queen of Pop«. Fionn Birr
 

Rising Sun - The Lamentations of the Rising SunFind it at hhv.de: 2LP Langsam erhoben sich in den letzten Jahren die Knicklichter gegen Warehouse-Himmel, schob allerhand junges Gemüse seinen Tracks Amen Breaks und Fantazia-Feelings unter. »The Lamentations of the Rising Sun« ist deshalb das Album, welches euch Traumprinz im DJ Metatron-Kostüm deshalb nie schenken wird, weil Rising Sun nicht durchs tränenverhangene Knopfloch Richtung Vergangenheit linst, sondern stur und rough das abspielt, was seit den 1990er Jahren Teil seines Muskelgedächtnises ist. Das Resultat sind strahlende Momente und tiefe Täler, die hellsten und unendlichsten seit »More Songs About Food And Revolutionary Art« oder, wenn wir mal ehrlich sind, den »Selected Ambient Works 85-92«. Kristoffer Cornils
 

Sarathy Korwar - Day To Day LPFind it at hhv.de: 2LP Der in den USA geborene und in Indien aufgewachsene Tablaspieler Sarathy Korwar verbindet Field Recordings des Sidi-Volkes mit westlichen Klängen. Trance-artige Vocals und arabische Percussion treffen auf Afrobeat, indische Sufi-Musik auf Spiritual Jazz. »Day To Day« ist ein experimentelles Album mit subtiler Elektronik, instrumentiert mit E-Gitarre, Fender Rhodes und Saxophon. Und über allem die Bassklarinette von Shabaka Hutchings (Sons of Kemet). Sanft, eingängig und hypnotisch. Jan Paersch
 

Schoolboy Q - Blank FaceFind it at hhv.de:LP-EU | LP-US Make gangsta rap great again. Nach YG, G Perico und Vince Staples schickte sich letztlich auch Schoolboy Q an, die Dubs in die Luft zu werfen und 2016 zu einem starken Jahr für Gangsta Rap zu machen. Fokussierter denn je verschrieb er sich auf »Blank Face« dem ausweglosen und vorgezeichneten Alltag junger, Afroamerikaner im Herzen Los Angeles’, deren Zukunft auch 2016, im Jahre acht der Präsidentschaft Barack Obamas, kaum hoffnungsloser sein könnte. Und auch im Dezember, fünf Monate nach Albumrelease, sieht es nicht rosiger aus. Benjamin Mächler
 

Skeletons - Am I Home?Find it at hhv.de: LP | Tape Es dauert meist Jahre, bis die Skeletons die neuesten Ergebnisse ihrer Überlegungen zum Stand der Dinge vorstellen. Und jedes Mal – so auch auf »Am I Home?« – kommt dabei etwas scheinbar Leichtes heraus, in dem sich – auch wenn es durchaus auf seine Weise Rock ist – so viel wiederfindet, was da eigentlich nicht daheim ist, verwoben zu einer Musik, in der erlesenes Handwerk nicht mehr ist als notwendige Voraussetzung, weil manches nicht mit einer handvoll Akkorden zu sagen ist. Andreas Schnell
 

ssio 0,9Find it at hhv.de:2LP+CD | CD Frauen werden benutzt, Handys nicht mehr gebraucht: SSIO verteilt auf »0,9« mit zwinkerndem Auge blaue. REAFs Beats lassen die Hydraulik quietschen, alles bounct, alles dick, alles prall. (Freiwillig) unterhaltsamer war Deutschrap dieses Jahr selten. Philipp Kunze
 

Steven Julien - FallenFind it at hhv.de:LP Steven Julien hatte als Funkineven dieses Lo-Fi-House-Ding nach wenigen Jahren bereits beinahe durchgespielt. Nun also unter bürgerlichem Namen dem Endgegner vor die Füße kotzen: »Fallen« fürchtet sich so wenig wie kein anderes House-Album dieses Jahr vor den Tücken des Formats, kommt erst nach wohlkonzipiertem Spannungsbocken im pluckerigen Acid-Inferno an und zeigt nebenbei den eigenen Vorbildern wie man Rhodes, Roland und Renitenz aus Detroit nach London importieren kann. Florian Aigner
 

Trettmann - KitschKrieg Volume 1, 2 & 3 LPFind it at hhv.de:2LP Es war die Überraschung des Jahres, als Ex-Dancehall-Caballero Ronny Trettmann mit seinen drei »KitschKrieg«-EPs den wohl stringentesten Trap/Cloud-Entwurf vorlegte. Die unterkühlten Weltraum-Betonwüsten aus dem Mischpult des Producer-Teams KitschKrieg atmeten gleichermaßen synthetisch-organische Zeitgeist- wie Zeitlosigkeit und boten damit Deutschraps neuem Lieblings-Spätzünder vor allem jenen Performance-Entfaltungsraum zwischen Travis Scott’schem Auto-Tune-Gebrauch, nahbarer Afterhour-Delivery und getoasteten Reggae-Insidern, die ihn schnell zum Rapsänger-Prototyp werden ließen. Eine perfekte Symbiose aus Vaporizer-Vocalist und Throwback-Onkel mit dem stilsichersten Beatmakern Deutschlands an der Seite, unterwegs in der Mission, BiVis (lies: Bis-40er) an der Stammbar genauso wie die Generation Gönnung im Club abhzuholen. Drei Worte: Kuff, Kaff, Kweff. Fionn Birr
 

Vijay Iyer/Wadada Leo Smith - A Cosmic Rhythm Freiraum für Töne. Den braucht es nicht nur im Drone. Auch auf »A Cosmic Rhythm With Each Stroke«, diesem Generationentreffen zwischen dem Trompeter Wadada Leo Smith und dem Pianisten Vijay Iyer, ist der Raum um die beiden Musiker wie ein weiterer Mitspieler, dessen Resonanz für Abstand und Nähe zugleich sorgt. In der Offenheit des Duos wird dann tatsächlich »alles lebendig«, Esoterik hin oder her. Tim Caspar Boehme
 

Whitney - Light Upon The LakeFind it at hhv.de:LP | Tape Die schönste Retro-Platte des Jahres kommt aus Chicago. »If only we were young«, singen Whitney auf »Light Upon The Lake«, dabei haben sie die 25 noch nicht überschritten. Sanfte Gitarren, feine Bläsersätze, geschmackvoll zurückhaltende Streicher – das klingt nach dem Country-Folk der Byrds, und nach 70s-Soul mit Falsett-Gesang. Warme Melancholie allerorten. Jan Paersch
 

Wolf Müller & Cass. - The Sound Of The GladesFind it at hhv.de:LP Bei der heutigen Ambient-Musik scheint es zwei konkurrierende Ansätze zu geben, die besonders herausstechen: entweder hypnotisieren meist perkussive Grooves über Minuten hinweg oder man wacht plötzlich auf einem arrhythmischen, hyperrealen Klangteppich auf und fragt sich, ob man noch träumt. Für »The Sound Of Glades« lassen der Tribal-Experte Wolf Müller und Ambient-Avantgardeler Cass. diese beiden Welten ineinander fließen und kreieren ein selten perfektes Kollabo-Album, das von der Supermarktschlange bis hin zur Bahnhaltestelle in allen Lebenslagen faszinieren kann. Musik, zu der man auch in Ruhe sterben könnte. Niklas Fucks
 

young thug slime season 3 In anderen Medien wird es Young Thugs Album »Jeffery« in die Jahresbestenliste schaffen. Bei uns ist es »Slime Season 3«. Warum? Weil auf dem Mixtape jeder Song ein Hit ist, weil »SS3« geiler ist als 100 Prozent aller dieses Jahr erschienenen Rap-Alben, und weil wir eben nicht nach medialem Gerammel (um »Jeffrey« gab es mehr) sondern nach musikalischem Bums bewerten. Um alles weitere zu erklären, müsste man Adlibs besser schreiben können, iiiihuuuu wuuää! Philipp Kunze
 

Yung Hurn - Krocha Tape Yung Hurn, ey, der endgültige Befreiungsschlag von Deutschrap, ab hier gibt es kein zurück mehr. Das »Krocha Tape« war vielleicht der deutschsprachige Release, der am meisten nach 2016 klang. Mit seinen frei assoziierten Zeilen drückte der Wiener das Gefühl von tausenden U-30ern aus, obwohl oder gerade weil in den Texten kaum etwas passiert. Hurn nuschelt über Molly, Baes und Chillen. Komplette Inhaltsleere als Gegenkonzept zu einer Welt, deren Inhalt für die Zielgruppe erschlagend und überfordernd ist. Also Flucht in Pillen und Partys, und am nächsten dunklen Großstadttag bleibt nichts übrig außer ein fantasierter Ferrari. 808s und Herzlosigkeit. Philipp Kunze
 

Yves Tumor - Serpent MusicFind it at hhv.de: LP Eines der seltsamsten und geilsten Alben kam dieses Jahr von einem, der vorher mit kreischendem Harsh Noise auf sich aufmerksam gemacht hatte. Yves Tumors »Serpent Music« ist disruptive Muzak aus dem Geiste Hype Williams’, eine Art umgedrehtes Pissoir als Klangskulptur. Vor allem aber ist die Schlangenmucke von Yves Tumor wahnsinnig sinnlich, sexy und beschwörend. Seltsam eben, aber auch geil. Kristoffer Cornils
 

Hier haben wir euch eine Übersicht über die Alben des Jahres in unserem Webshop zusammengestellt.
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Er begründete eine Bewegung. Auch, wenn sein Triathlon auf der Couch stattfand: Whiskey, Joints und Kokain. Das ist die Geschichte Tim Maias, einem der einflussreichsten brasilianischen Musiker aller Zeiten.
Music Interview
Goldroger
My Latest Epiphany
Goldrogers Albumdebüt »Avrakadavara« handelt von magischen Transmutationsritualen und durchzechten Ecstasy-Nächten. Uns erzählte der Wahl-Kölner von einem Erweckungserlebnis der etwas anderen Art.
Music Porträt
Katie Gately
Die Errungenschaften der Menscheit
Katie Gately definiert Fortschritt als den Weg zwischen A und B. Ihre Karriere verlief keineswegs geradlinig, ihr Album »Color« ist Pop und Chaos zugleich. Mit wenig Mitteln und viel Aufwand will sie uns eins sagen: Du bist nicht allein.
Music Kolumne
Vinyl-Sprechstunde
Nicolas Jaar - Sirens
Nicolas Jaar veröffentlicht nach fünf Jahren sein zweites Studioalbum. Unsere Autoren haben sie sich gemeinsam angehört und sich dabei nicht nur gefragt: ist das jetzt eher Tarkovsky oder Milky Chance?
Music Liste
Acid Arab
10 All Time Favs
Wir fragen Musiker nach 10 Schallplatten, durch die sie geformt, gebessert und gebildet wurden und bitten sie diese Auswahl zu kommentieren. Diesmal nimmt sich das Produzententeam Acid Arab der Aufgabe an.
Music Liste
patten
10 All Time Favs
Wir fragen Musiker nach 10 Schallplatten, durch die sie geformt, gebessert und gebildet wurden und bitten sie diese Auswahl zu kommentieren. Diesmal nehmen sich die Londoner patten der Aufgabe an.
Music Interview
Entweder Oder
Entscheider: Doz9
»Untergrund und grundlos Pleite«, Doz9 und Torky Torks Geist haben sich unseren sinneserweiternden »Entweder Oder«-Fragen gestellt. Also: Crack am Kotti oder Crystal Meth in Brandenburg?
Music Kolumne
Aigners Inventur
September 2016
Auch in diesem Monat setzt sich unser Kolumnist vom Dienst wieder kritisch mit der Release-Flut auseinander, selektiert, lobt und tadelt. Any given month. Dieses Mal u.a. unter der Lupe: Nick Cave, Travi$ Scott, Zomby und M.I.A.
Music Porträt
Ka
»Always Been Conflicted«
Ka ist tagsüber Feuerwehrmann. Nachts: Rapper. Dass er in dieser Doppelfunktion Trigger Happy-Polizisten als das benennt, was sie sind, empörte die Klatsch-Presse. Anerkennung wäre die richtige Reaktion gewesen.
Music Interview
Machinedrum
»Musik ist eine Form des Heilens«
Heilung bei weit über 130 bpm? Ist möglich, denkt Travis Stewart. »Human Energy« entstand in L.A., da sind Esoterik, Wurzeln und heiße Steine nicht weit. Wir sprachen mit dem Produzenten über sein neues Leben – und sein neues Album.
Music Liste
Mndsgn
10 All Time Favs
Wir fragen Musiker nach 10 Schallplatten, durch die sie geformt, gebessert und gebildet wurden und bitten sie diese Auswahl zu kommentieren. Diesmal nimmt sich Mndsgn der Aufgabe an.
Music Liste
Jan Jelinek
10 All Time Favs
Wir fragen Musiker nach 10 Schallplatten, durch die sie geformt, gebessert und gebildet wurden und bitten sie diese Auswahl zu kommentieren. Diesmal nimmt sich der Produzent Jan Jelinek der Aufgabe an.
Music Kolumne
Aigners Inventur
August 2016
Zurück aus der Sommerpause setzt sich unser Kolumnist vom Dienst wieder kritisch mit der Release-Flut auseinander, selektiert, lobt und tadelt. Any given month, dieses Mal derer zwei und mit Platten von Vince Staples,Gonjasufi und Der Coup.
Music Porträt
FloFilz
Idylle jenseits der Cloud
Schlafzimmer-Studio, Soundcloud, HipHop: FloFilz Rahmenbedingungen hätten ihn auch zu einem Cloud-Rap-Produzent machen können. Dass er das nicht wurde, könnte daran liegen, dass ihn wolkenlose Himmel dafür zu sehr inspirieren.
Music Kolumne
Vinyl-Sprechstunde
Frank Ocean's »Blond«
Vier Jahre lang hat Frank Ocean sein neues Album angeteast, zurückgezogen, und das Spiel so lange wiederholt, bis beim Release von »Blond« alle eh erstmal sofort befriedigt waren. Aber ist »Blond« so groß wie das Drumherum?
Music Porträt
The Dwarfs Of East Agouza
Space Is Only Noise
Der Nil entspringt in Ruanda, tief aus Afrika kommend mündet er im Mittelmeer. Ein Fluss, um den sich endlose Mythen ranken. Nur an seinem Ufer konnte »Bes« entstehen. Eines der bisher besten Alben des Jahres.
Music Liste
Die 24 besten
Reissues des Jahres (bis jetzt)
Keine Compilations, sonst eigentlich alles. 24 Reissues, die aus dem redaktionsinternen, wutdemokratischen Verhandlungen als absolut unabdingbar herauskamen. Dann in Texte gegossen und alphabetisch sortiert.
Music Kolumne
Aigners Inventur
Juni 2016
Auch in diesem Monat setzt sich unser Kolumnist vom Dienst wieder kritisch mit der Release-Flut auseinander, selektiert, lobt und tadelt. Any given month. Dieses Mal u.a. unter der Lupe: The Avalanches, MC Bomber, Blood Orange und Mala.
Music Interview
Abra
Turnt Up Art Kid
Abra hat das Talent, das Charisma, und die Erscheinung, um eine große Figur des Pop zu werden. Gleichzeitig ist sie absonderlich genug, um von Spotify-Verweigeren verehrt zu werden. Lange war sie für viele nur eines: zu absonderlich.
Music Porträt
Jazzland Recordings
Bloß nicht zu amerikanisch klingen
Auf den ersten Blick nicht zu vereinende Welten musikalisch zusammenprallen zu lassen, war seit jeher ein Antrieb von Bugge Wesseltoft. Vor 20 Jahren gründete er Jazzland Recordings und auch da geht es in erster Linie um Unerhörtes.
Music Interview
Masta Ace
Kein Herbst in Sicht
Als einer der dienstältesten MCs im Geschäft schafft es Masta Ace trotz seiner fast 30 Jahre Erfahrung relevant zu bleiben. Wie er das macht, wo seine Karriere begann und warum er nicht mehr malt, erfahrt ihr in unserem Interview.
Music Porträt
Andy Stott
Schmetterlinge aus der Maschine
Der Meister der düsteren Elektronik nennt seine Single »Butterflies«. Andy Stott überraschte einige, als er im Frühjahr nicht nur sanfte, sondern auch poppige Töne einschlug.
Music Liste
Jazzland Recordings
10 Essentials 1996 - 2016
Vor genau 20 Jahren hat der norwegische Jazzpianist Bugge Wesseltoft sein Label Jazzland Recordings gegründet. Wir haben eine Auswahl von 10 Platten zusammengestellt, die wir als besonders prägend für das Plattenlabel betrachten.
Music Kolumne
Records Revisited
John Coltrane - Giant Steps (1960)
Auf dem Weg vom Bebop zum Free Jazz. Das 1959 aufgenommene »Giant Steps« füllt eine Lücke in der Geschichte des Jazz und ist gleichzeitig ein Riesenschritt in der künstlerischen Entwicklung des Ausnahmemusikers John Coltrane.
Music Kolumne
Vinyl-Sprechstunde
Radiohead: »A Moon Shaped Pool«
Radiohead bringen in zwei Tagen ein neues Album raus. Die Welt hält den Atem an. Unsere Autoren haben das Album schon gehört – und auch ihnen schlägt das ›Event‹ auf die Atemwege.
Music Kolumne
Aigners Inventur
Mai 2016
Auch in diesem Monat setzt sich unser Kolumnist vom Dienst wieder kritisch mit der Release-Flut…ach ne, ist ja gleich EM. Und deswegen ist dieses Mal alles anders. Platten werden Nationen und Aigner arbeitet sich einmal von A nach F.
Music Interview
Entweder Oder
Entscheider: AzudemSK
Wir wollen AzudemSK als Nachbarn. Der sympathische Münsteraner Rapper legt heute sein neues Album »Bis das Leben applaudiert« vor. Wir haben ihm einige Fragen gestellt. »Jérôme Boateng oder Alexander Gauland« war nicht dabei.
Music Porträt
Max Graef
Smooth Operator
»Ist einfach nicht so meine Welt, arbeiten mit geregelten Zeiten«, erklärt uns Max Graef den Fakt, dass er nicht mehr einmal die Woche im Plattenladen aushilft. Lockerer Typ. Sein Album mit Glenn Astro erscheint morgen – und hat Drive.
Music Bericht
Paternoster
Erst verkannt, dann teuer verkauft
Damals interessierte sich kaum jemand für sie. Heute zahlen Menschen 8.000 Euro für ihre Platte: Paternoster waren ihrer Zeit voraus. Jetzt ist die Reissue ihres einzigen Album erschienen.